Verantwortung: Streit um das Berliner Tipi

Wir haben das Objekt am 22. Mai 2015 aufgebaut und alle haben sich gefreut. Das war ein schöner Projektabschluss. Abschluss? Nun ja, die weitere Nutzung des Tipis geht ja nun erst richtig los. Leider sind die Vertragsverhältnisse nicht ordentlich geregelt.

Bevor ich hier in die Details aktueller Probleme gehe: Wir alle beschweren uns ständig und dauernd über schwierige Regeln und Auflagen von Verwaltungen. Es kann sehr angenehm sein, wenn etwas einmal nicht in allen Details geregelt ist. Da bleiben dann auch Spielräume, wie man auf einzelne Entwicklungen eines Projektes reagieren kann. Umgekehrt sagt einem die Verwaltung bei konkreten Problemen dann allerdings „das müssen Sie selber regeln, nicht unsere Zuständigkeit“. Auch das ist nachvollziehbar.

So, was habe ich als Projektleiterin des Tipi-Projektes nun aktuell zu regeln und zu kommunizieren?

Das Gerüst hatte zwischenzeitlich einen schweren Schaden. Dieser Schaden wurde von einem Tischler repariert.

Ein Neuaufbau des Tipis war vorgesehen.

Der Aufbau dieser Art Tipi braucht fachkundige Anleitung. Wir haben eine Person in Berlin, die das gelernt hat und verantwortlich leiten kann. Mit dieser Person muss man sich allerdings einigen. Das konkrete Angebot ist gewesen: Verantwortliche Leitung eines Neuaufbaus ggf. auch die Einarbeitung neuer „Experten“ für 50 €. Ein guter Aufbau braucht neben der fachkundigen Anleitung einen Helfer, eine Leiter und ungefähr 3 Stunden Zeit.

Die evangelische Nazarethkirchengemeinde fand einen fachkundigen Aufbau des Tipis nicht erforderlich. Sie hat einen Aufbau auf eigene Faust gemacht – wieder auf dem Grundstück neben der Alten Nazarethkirche.

Diesen Neuaufbau habe ich vor einigen Tagen besichtigt.

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  • Das Gerüst steht meines Erachtens zu spitz, es steht nicht richtig rund und es steht weitergehend schief. Die Gerüststangen sind nicht ordentlich verbunden, es gibt zwei Kreuze und ein großes Durcheinander.
    Das Gerüst stammt von einem professionellen Hersteller, aber es muss auch mit entsprechenden Fachkenntnissen aufgebaut werden.
  • Die Zelthaut wurde LINKS verarbeitet. Alle Motive (das Berliner Tipi hat viele Motive) sind jetzt innen.
  • Einzelne Quadrate wurden beschädigt, weil man Heringe einfach durch die Quadrate geschlagen hat.
  • Das Loch oben ist viel zu groß.
  • Man hat sich nicht einmal die Mühe gegeben, alle Befestigungen wenigstens abzuschneiden.
  • Ob schwarzes Klebeband überhaupt eine gute Idee ist, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen, ob es GUTES Klebeband ist, weiß ich nicht.
  • Insgesamt wurde die Zelthaut nur im oberen Bereich an den Gerüststangen befestigt und auch dort sehr unzureichend. Einzelne Gerüststangen stehen vollkommen frei. Wenn die Zelthaut jetzt durch Nässe oder auch durch Windbelastungen schwerer wird, hängt erhebliches Gewicht an einzelnen Fäden.

Dazu eine kleine Gegenüberstellung:

tipi aufbau

Die Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck in Remscheid hat Fotos dieses mangelhaften Aufbaus gesehen und äußert sich wie folgt:

schlimm, wenn so mit der Mühe und Arbeit vieler Menschen umgegangen wird!

Meines Erachtens sollte man eine gewisse Verantwortung empfinden, so viele Menschen haben sich so viel Mühe gegeben und waren stolz auf ihre Arbeit!

Das Tipi ist sehr schlecht aufgebaut. Ich bin extra gekommen und habe … alles genau erklärt! Das ist nicht so einfach, wie es teilweise angenommen wird. Es ist ein Spezialgewebe.

So wird es sich einfach auslängen, es hängt ja jetzt schon auf dem Boden und der Eingang sieht auch nicht gut aus!

Mir tut das wirklich leid.

Und die Nähte nach außen, so ist doch alles irgendwie nicht gut.

Es gibt doch ein Konzept und dazu gehört auch der achtsame Umgang, nicht nur mit dem Tipi (mit allem was dahinter steht und es symbolisiert), sondern auch mit dem Material und dem Gesamtkonzept.

Ich mache mir nicht umsonst die ganze Mühe, wenn so damit umgegangen wird, finde ich es traurig.

Lappen irgendwo aufhängen und der Zerstörung preiszugeben, das kann jeder… aber genau das sollte es ja nicht sein.

Es ist ein Gewebe, das, was mir wichtig ist und was ich u. a, durch meine Aktivitäten erforsche. Ein Gewebe funktioniert aber nur, wenn ‚die Maschen‘ ineinandergreifen und das ‚Muster‘ beachtet wird.

Hier korrespondiert das eine nicht wirklich mit dem anderen.

Das Berliner Tipi fand überregional Aufmerksamkeit, letzten Sonntag wurde ich hier im Oberbergischen auf das Berliner Tipi angesprochen.

Es kommen viele Leute am Ort  vorbei, es steht auch für meine Arbeit und das kann ich so nicht unterstützen, das macht einen wirklich schlechten Eindruck!

Das geht so gar nicht!

Ich bitte darum, dass es richtig aufgebaut wird. Schließlich gehört es in einen Verbund. Bisher habe ich derartiges noch nicht erlebt, wirklich schlimm.

Am besten ganz schnell wieder neu aufbauen, damit sich nichts verzieht und die Form verliert, dann ist es nämlich kaputt.

Persönliche Animositäten haben in Kunstprojekten nichts zu suchen und schon gar nicht in sozialen Kunstprojekten. Dann verfehlen sie ihren Zweck!

Das kann man doch lösen! 

Das Tipi sollte auf keinen Fall zu einem Streitobjekt werden! Es steht für Frieden, Gastfreundschaft, Toleranz, Mobilität… genau deshalb gibt es überhaupt eins auch in Berlin.

Das Tipi soll jetzt auf Wunsch der Künstlerin in dieser Form dringend abgebaut werden – wegen dem Gesamtimage des Projektes und um die Zelthaut vor Schaden zu bewahren.

Dazu äußert sich Herr Sebastian Bergmann, Leiter des Gemeindekirchenrates der Ev. Nazarethkirchengemeinde mir gegenüber wie folgt

Liebe Brigitte, für Dich zur Kenntnis: das TIPI ist nicht Dein Privateigentum. Du wirst es daher nicht abbauen! Die Gemeinde ist Projektträger und trägt die Verantwortung. Diese werden wir wahrnehmen. Du bist Projektleiterin im Auftrag der Gemeinde. Ich bitte Dich, dich daran zu halten.

Wer trägt hier welche Verantwortung?

Ich war und bin die fachlich kompetente Projektleiterin (das kann sonst vor Ort überhaupt niemand) und ich sehe mich

  • der Künstlerin gegenüber und
  • allen Beteiligten an dem Tipi-Projekt gegenüber
  • und gegenüber der Öffentlichkeit

in der Verantwortung! Nicht die Gemeinde hat das Projekt entwickelt und beantragt, ich war das, in Kooperation mit der Gemeinde.

Die Conrad-Stiftung Bürger* für Mitte, die das Projekt finanziert hat, sagt, ich müsse mich „mit der Gemeinde einigen“.

Die Gemeinde bekam das Tipi aus Stiftungsmitteln und mehreren 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit kostenlos geliefert. Die Gemeinde hat aber keinen Anspruch auf weitere ehrenamtliche Leistungen wie z. B. Folgeaufbauten.

Ich sehe mich jetzt nicht mehr in der Lage, die Interessen der Künstlerin, der Mitwirkenden, zukünftiger Nutzer (für September gibt es mehrere Termine an anderen Orten) und der Öffentlichkeit gegenüber der Gemeinde zu vertreten.

Das Tipi gehört in der jetzigen Form abgebaut. Das braucht zwei Leute, eine Leiter, einen Bolzenschneider (oder anderes Gerät um Kabelbinder zu schneiden), ein Transportfahrzeug und ein Zwischenlager. Das Tipi ist tatsächlich nicht mein Privateigentum, ich kann das privat gar nicht gebrauchen.

Ich war und bin als Projektleiterin die Kommunikationsschnittstelle zwischen allen Beteiligten Akteuren. Wenn ich persönlich jetzt im Auftrag der Künstlerin das Objekt abbaue und in Sicherheitsverwaltung nehme, bekomme ich von der Gemeinde Nazareth wahrscheinlich eine polizeiliche Anzeige wegen Diebstahl. Mal unabhängig davon, wie ich diese Art Anzeige juristisch überstehen könnte, nehme ich das nicht auf mich. Diese Art Vorgang beleidigt mich. Tatsächlich versuche ich verantwortlich zu handeln gegenüber allen Beteiligten!

 

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